Über 125 Jahre
1890 - die Insel Amrum erwacht
1890 wurde Amrum zum Nordseebad. Mit der Gründung Wittdüns und den Seehospizen in Norddorf kamen die ersten Urlauber. Aus der Insel der Seefahrer, Kleinlandwirte, Jäger und Schiffsberger wurde ein beliebter Badeort. Neue Erwerbszweige entstanden: Zimmervermietung, Gastronomie, Handel und Handwerk. Einer dieser neuen Betriebe war Foto Quedens, gegründet 1898.
Geschichten, die die Insel erzählt
Über 125 Jahre hinterlassen Spuren - in Regalen, auf Fotos und in den Erinnerungen der Menschen, die Quedens kennen. Ein Affe auf dem Birnenbaum. Ein Großvater, der die WDR alt aussehen ließ. Ein Urgroßvater, der seine Studiohintergründe selbst malte. Das sind nur drei von vielen Geschichten, die sich um Quedens ranken.
Entdeckt sie alle - klickt euch durch unsere Anekdoten-Sammlung.
Heute - die vierte Generation
Auf einer Insel gibt es keine kurzen Wege zum Festland - das schärft den Blick für das Machbare und den Mut zur schnellen Entscheidung. Eine Mentalität, die Quedens von Anfang an geprägt hat. Von den ersten handgegossenen Glasplatten bis zur heutigen Smartphonefotografie: eine Entwicklung, die stets Betriebsumgestaltungen mit sich brachte. Aus „Foto Quedens" wurde „Quedens - Foto- & Buchhandel" - und der Handel mit Schreibwaren, Künstlerbedarf, Souvenirs und Spielen wuchs hinzu.
Wer auf einer Insel bestehen will, muss beweglich und einfallsreich bleiben. Quedens tut das seit über 125 Jahren. Heute sind wir auf drei Filialen verteilt: die Buchhandlung Quedens Wittdün in der Inselstraße 35–37, das Strandgut Wittdün in der Inselstraße 39 und die Buchhandlung Quedens Norddorf im Strunwai 22. Leif Quedens führt das Unternehmen in der vierten Generation - mit demselben Geist, mit dem es begann: neugierig, anpassungsfähig, verwurzelt auf Amrum.
Anekdoten-Sammlung
1898 kam Fotografie auf Amrum. Johannes Quedens konnte malen - das war sein Kapital und Instinkt. Als die ersten Badegäste der Seehospize ankamen, hatten die wenigsten eine Kamera. Erinnerungsfotos machte man beim Fotografen. Johannes Quedens war der erste auf Amrum. Er gestaltete seine Studiokulissen selbst: eine von ihm gemalte Viermastbark auf hoher See als Hintergrund, ein echter Strandkorb davor. Wer ein Urlaubsportrait wünschte, besuchte ihn und wurde Teil dieser Inszenierung. Handwerk und Fantasie vereint.
Der Zweite Weltkrieg hinterließ Spuren auf Amrum. Als die Briten kamen, versteckte Großvater Quedens die Räder seines Autos im Heuboden des Schwiegervaters - die Schrotflinte gleich dazu. Nach dem Krieg beauftragten ihn die Briten mit der Versorgung der Insel, denn er konnte fahren. Er baute seinen VW-Bus um und fuhr Urlaubsgäste für eine Mark direkt vor ihre Quartiere. Der Bus der Wyker Dampfschiffs-Reederei fuhr leer hinterher. Die W.D.R. klagte alle zwei Wochen - und verlor jedes Mal. Aus den Erlösen wurde der Großvater Großaktionär der Amrumer Schiffahrtsaktiengesellschaft ASAG - auf deren Schiffen sein Sohn Jens später als Matrose zur See fuhr.
Jens Quedens hatte einen Mitarbeiter der besonderen Art: Amigo, ein Totenkopfäffchen. Im Schaufenster des Norddorfer Ladens jagte er Fliegen, zerzauste den Kundinnen die Dauerwellen und hinterließ auf den Regalen seine ganz eigenen Spuren. Irgendwann durfte Amigo nicht mehr in den Laden. Er zog auf den Birnenbaum - an der Leine. Später kam Amigo in die Obhut von Richard Hölck, dem Vater des heutigen Amrumer Lehrers Mathias Hölck. Eine kleine Geschichte, die noch heute auf der Insel weitererzählt wird.
Jens Quedens, Seefahrer, Fotograf und Heimatforscher, gründete 1975 den Jens Quedens Verlag. Der erste Amrum-Kalender erschien - bis heute jedes Jahr neu, einer der dienstältesten Inselkalender. 1979 folgte das erste Buch: „Amrum - Porträt einer Insel". Seitdem sind über 100 Titel entstanden, darunter 30 Jahrgänge der Amrumer Jahres-Chronik - über 4.500 Seiten Inselgeschichte.